Wir für den Neuen Gasteig

»Mein mobiles Büro ist im neuen Gasteig. Ich nutze es gerne mit allen Münchnerinnen und Münchnern.«

Anton Biebl,
Kulturreferent der Landeshauptstadt München

© Robert Haas

Anton Biebl im Interview

Möglichkeitsraum Gasteig

Anton Biebl, Kulturreferent der Landeshauptstadt München, steht den städtischen Kulturinstitutionen vor, die im Gasteig beheimatet sind: Die Münchner Stadtbibliothek und die Münchner Philharmoniker gehören ebenso zum Kulturreferat wie die Münchner Volkshochschule. Zudem werden die meisten Festivals und Veranstaltungen im Gasteig vom Kulturreferat gefördert. Wir haben nachgefragt, was der Gasteig für Anton Biebl bedeutet.

Wann haben Sie den Gasteig zum allerersten Mal betreten? Was war Ihr erster Eindruck?

Ach je, das ist ja schon ewig her. Ich glaube, das war kurz nach der Eröffnung, also Ende der 80er Jahre. Was mich im Gasteig am meisten beeindruckt hat, war die Glashalle. Ein solcher Eingangsbereich war eine echte Innovation für einen Kulturort. Das Foyer war also gleich eine Ansage: hier gibt es etwas Neues.

Was waren für Sie persönlich die einprägsamsten Erlebnisse im Gasteig?

Da gibt es eine Vielzahl. Wo soll ich da anfangen? Überwältigende Musikerlebnisse habe ich bei den Brucknerkonzerten der Münchner Philharmoniker ebenso erlebt wie bei Lucio Dalla oder natürlich Paolo Conte... Ich bin ja bekanntlich den italienischen Cantautori sehr zugeneigt. Im Carl-Orff-Saal saß ich oft begeistert in Theatervorstellungen und Performances, und manchmal auch fragend, wie beim DANCE-Festival, weil ich den Zugang zum zeitgenössischen Tanz noch trainiere. (lacht) Dann die Momente bei den Filmfest-Galas. Da darf es auch mal etwas glamouröser zugehen. Die Vorträge im Carl-Amery-Saal, Kinoprogramm oder mein Italienisch-Kurs - es ist echt schwierig, da Rosinen herauszupicken. Das große Ganze ist es wohl, was das Besondere des Gasteig ausmacht.

Ein Rundgang von der Tiefgarage zum Dach: Welche Gasteig-Stelle mögen Sie am liebsten?

Was ich wirklich sehr mag, ist das Foyer zwischen Carl-Orff-Saal und Philharmonie. Da nimmt man die Dimension des Gebäudes tatsächlich wahr. Wenn man zu spät dran ist, kann der Weg auch ganz schön lang werden... (schmunzelt). Was total unterschätzt ist, sind die Etagen über dem Carl-Orff-Saal: da gehen nicht viele Leute hin, obwohl dort ja immer interessante Ausstellungen stattfinden. Ab der zweiten Etage befindet man sich in der Verwaltung und bei den Proberäumen der Musikhochschule, das ist relativ hermetisch. Gleichzeitig herrscht da auch immer eine faszinierende Konzentration. Und was natürlich sensationell ist, ist das Dach, oben, wo die Bienenstöcke stehen: Der Ausblick ist der Wahnsinn, und den sollten viel mehr Menschen kennen. Münchner Weitblick!

Sie kennen viele Kulturbauten auf der Welt. Welche Beispiele haben Sie besonders beeindruckt?

Da gibt es einige Häuser, die mich faszinieren: Das maXXi in Rom zum Beispiel. Dieses Museum für zeitgenössische Kunst mitten in einem Wohnviertel ist der schwungvollste Betonklotz, den ich je gesehen habe. Zaha Hadid hat da auf relativ kleinem Raum ein Meisterwerk geschaffen. Der Konzertsaal in Blaibach von Peter Haimerl mitten im niederbayerischen Wald ist auch eine sehr prägnante Erscheinung. Die Elbphilharmonie ist sicherlich auch ein meisterhaftes Bauwerk und Wahrzeichen geworden, wenngleich die Kosten schwindelerregend waren. Es sind faszinierende Orte geworden, deren Architektur das widerspiegeln, was sie sind: Möglichkeitsräume. Auch der Gasteig muss als Möglichkeitsraum gedacht werden.

Gestern, heute, morgen: Warum braucht München seinen Gasteig?

Wer den Gasteig nutzt, ist Kunst- und Kulturfan. Wir schaffen es hier, verschiedenste Menschen und alle Generationen einzuladen, anzusprechen, zu begeistern. Der besondere Mix im Gasteig war in den 1980ern bereits visionär. Jetzt müssen wir aufpassen, dass der Gasteig nicht retro wird.
10.000 Menschen kommen täglich in den Gasteig. Für die wollen wir mehr öffentliche Fläche, mehr Raum für Ideen, mehr Aufenthaltsqualität, mehr Licht und Luft zum Lernen, mehr Klangerlebnis. Die Modernisierung des Gasteig muss dafür sorgen, dass wir in jeder Hinsicht »state of the art« sind und bleiben. Was unseren Kulturbegriff angeht, unser Programm und natürlich auch die technischen Möglichkeiten dieses Veranstaltungszentrums.
Teilen ist das neue Haben. Daher wird es im neuen Gasteig Shared Spaces geben, überall kostenloses WLAN, ein demokratisch geteiltes Kulturzentrum mit freiem Blick über die Stadt. Der neue Gasteig gehört allen. Die Möglichkeiten müssen so vielfältig sein, wie es sein Publikum heute schon ist.

Türen, Teppich, Technik: Was ärgert oder nervt Sie am Gasteig?

Wenn ich für meine Kinder Säumnisgebühren in der Stadtbibliothek bezahlen muss (lacht). Unabhängig davon freue ich mich auf den neuen Gasteig!